House icon

Ada Christen (Christi(a)na von Breden, geborene Fr(i)ederik): Zitate

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.

Schatten (1872) — Aus der Ferne: Nach dem Regen

Es schaukelt im Morgensonnenschein
Ein Schiff auf grünen Wogen,
Die Wellen flimmern, die Luft ist rein,
Die Möven kommen gezogen.

Es streift ihr weißer Flügel die Fluth,
Sie gleiten leicht vorüber,
Der Himmel flammt in heller Gluth,
Das Meer wird trüb’ und trüber.

Schatten (1872) — Aus der Ferne: Möven

Vom Klosterthurme bebte durch die Luft
In leisen Tönen schon der Abendsegen, –
Da rauschten Bäume, wehte mir entgegen
Vom grünen Lido weicher Blüthenduft.

Und sanfte Stimmen waren jetzt erwacht,
Durch Gras und Büsche schwebte süßes Klingen,
Verirrte Tauben senkten ihre Schwingen –
Es stieg die Fluth – und mählig kam die Nacht…

Schatten (1872) — Aus der Ferne: Venedig: Lido: 8.

Also hab’ ich Dich bewundert
Dort an Abbazia’s Strand,
Dort in jenem Tropengarten,
Wo ich Märchenblumen fand.
Ueber meinem Haupt die Berge
In der Sonne letztem Glühn,
Mir zu Füßen Brandungstoben,
Rund um mich ein duftend Blühn.

Schatten (1872) — Abbazia

Und leise wie in der Sommernacht
Der Thau von den Blättern tropft,
Wie die Lerchen zwitschern schlummersacht,
So leise das Herz ihr klopft.

Schatten (1872) — Modelle: Nachtgebet

Es war ein schwüler, heller Sommerabend,
Die Käfer schwirrten surrend durch die Luft,
Die Tauben girrten, trippelten und lachten
Und stürzten sich vom hohem Giebel nieder
Auf die Terrasse, von Gerank umflossen.
Die gelben Rosen, die das Haus umsäumten,
Die dufteten fast herb’

Schatten (1872) — Ein Tagebuch: Widmung

Der letzte Sonnenstrahl war schon erloschen,
Auf grauen Schwingen sank die Dämmerung
Hernieder auf den großen, stillen Garten,
Hernieder auf das duftumwogte Haus. – –

Schatten (1872) — Ein Tagebuch: Widmung

Da war ein Morgen, wo mich Vogelzwitschern
– Noch halbverhalten und doch traumgeschwätzig –
Hinausrief auf die blanke Holzaltane.
Es flüsterte ein schwacher, kühler Wind,
Und feuchte Nachtluft strömte aus den Büschen,
Und jeder noch so leise Ton war hörbar.

Aus der Tiefe (1878) — Herzenssünden